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1. Was tun bei Angriffen oder Diskriminierungen?

Immer wieder werden Menschen in der Öffentlichkeit beleidigt, bedroht und angegriffen. Menschen werden auf der Arbeit, bei Behörden oder auf dem Wohnungsmarkt diskriminiert. Sie werden Opfer, weil ihre Haut nicht weiß ist, sie anders denken und leben als die Mehrheitsgesellschaft.
Jede_r von uns kann helfen und wir können als Betroffene selber aktiv werden, indem wir unsere eigene Angst überwinden und uns wehren bzw. einschreiten, wenn andere in Gefahr sind.
Wenn Sie in Ihrem Beruf oder bei der „Versorgung mit Güntern und Dienstleistungen“ benachteiligt werden, können Sie auf Grundlage des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) dagegen vorgehen. Nähere Informationen zum AGG finden Sie hier.

Und hier findet ihr/ finden Sie Tipps, wie gut in einer (drohenden) Gewaltsituation interveniert werden kann.

 

2. Nach einem Angriff, einer Diskriminierung

Opfer von Gewalt, Bedrohung und Diskriminierung brauchen (unsere) Unterstützung und Solidarität!
Neben Freund/innen und Familie können Beratungsstellen hier wichtige Hilfe leisten und gemeinsam mit den Opfern mögliche weitere Schritte besprechen. Auch Zeug/innen von Angriffen können sich hierhin wenden. Denn zusehen zu müssen, wie jemand, vielleicht sogar ein/e Freund/in, Gewalt ausgesetzt ist, kann traumatisierend wirken. Es ist wichtig die Folgen, die Herabwürdigungen und insbesondere Angriffe haben (können) nicht runterzuspielen und auszublenden.
Keine_r muss damit alleine fertig werden!

Verletzungen und Schäden bitte möglichst genau dokumentieren,
z.B. für eine evtl. Anzeige und Schadensersatzansprüche:
  • Bei einem körperlichen Angriff: am besten immer medizinische Hilfe aufsuchen, denn nicht alle Verletzungen sind direkt ersichtlich.
  • Den behandelnden Ärzt/innen alle Verletzungen und Schmerzen mitteilen und sich in einem ärztlichen Attest protokollieren lassen
  • Sichtbare Verletzungen am besten fotografieren
  • Entstandene Sachschäden fotografieren und zerstörte Gegenstände/ Kleidungen (so möglich) aufbewahren

Es ist sinnvoll ein Gedächtnisprotokoll zu verfassen
für die Meldung beim Pankower Register, eine Anzeige bei der Polizei oder für eine spätere Aussage als Zeug/in vor Gericht. Das Gedächtnisprotokoll sollte nur die eigene Wahrnehmung enthalten und möglichst detailgenau sein. Ein Gedächtnisprotokoll könnte enthalten:

  • Ort, Datum und Zeit des Angriffs bzw. der Diskriminierung, die ggf. im Rahmen des AGG adressiert werden soll
  • Beschreibung der Situation: Wie kam es dazu? Was ist genau passiert? Wie viele Täter/innen, wer hat wann und womit Gewalt ausgeübt, beleidigt bzw. jemanden benachteiligt
  • Äußerungen der Täter/innen oder Diskriminierenden: der genaue Wortlaut ist hier wichtig!
  • Täter/innenbeschreibung: Kleidung, Schuhe, Haare, Größe, Tätowierungen, Waffen, Auffälligkeiten der Sprache, Alkoholisierung, evtl. PKW-Kennzeichen...
  • (Mögliche) Zeug/innen

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3. Angriffe und Diskriminierungen anzeigen

Bei Angriffen und ggf. bei Diskriminierungen, die unter das AGG fallen, besteht die Möglichkeit, eine Anzeige zu stellen. Viele Betroffene sind unsicher, ob sie diese Möglichkeit wahrnehmen wollen. Es sprechen allerdings viele Gründe dafür, insbesondere bei einer Gewalttat. Denn nur so besteht die Möglichkeit, dass die Täter/innen bzw. Diskriminierenden gefasst und für ihr Verhalten verurteilt werden.
Bei Unsicherheit, ob eine Anzeige für Sie/ Euch der richtige Schritt ist, ist eine Beratung bei einer Beratungsstelle sehr zu empfehlen! Diese begleiten und unterstützen häufig auch im Falle einer Gerichtsverhandlung, was eine große Hilfe sein kann.

Schutz der persönliche Meldeadresse bei einer Anzeige
Es gibt die Möglichkeit als Opfer bzw. Zeug/in von rechtsextremen Vorfällen den „kleinen Opfer- bzw. Zeugenschutz“ nach Paragraphen 68 Strafprozessordnung Absatz 2 in Anspruch zu nehmen. Demnach können Betroffene von Gewalt, wenn sie bei der Polizei Strafanzeige stellen, unter Verweis auf den kleinen Opferschutz fordern, dass ihre Wohnanschrift in einem von der Anzeige getrennten Umschlag an die Staatsanwaltschaft geschickt wird. Damit ist garantiert, dass die Ermittlungsbehörden die Anschrift haben. Die Wohnanschrift des Opfers gelangt so aber nicht zu den Akten, die die Beschuldigten bzw. deren Anwält_innen bekommen. Alternativ kann auch eine andere ladungsfähige Anschrift als die eigene Wohnadresse angegeben werden. Die Anerkennung der möglichen Gefährdung des Opfers, die die Voraussetzung für den kleinen Opfer- bzw. Zeugenschutz darstellt, unterliegt jedoch der Einschätzung der jeweiligen Polizist/innen!
Laut Berliner Polizeipräsidenten Dieter Glietsch kann allerdings auch „in Zweifelsfällen“ von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht werden ( taz - Artikel „Schutz für Opfer rechter Gewalt“ vom 31.03.09).

Sollte es bei der Beantragung Schwierigkeiten geben, sollte dies Opferberatungsstellen wie ReachOut gemeldet werden.

Weitere Informationen (auch über den Verlauf von Ermittlungen und Gerichtsverfahren) finden sich hier bzw. speziell für Jugendliche

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Gefördert im Rahmen des Bundesprogramms "VIELFALT TUT GUT. Jugend für Vielfalt, Toleranz und Demokratie
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